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Peter Knein & Werner Peters beim 100 km Lauf

Beim 100-Kilometer-Lauf im schweizerischen Biel waren aus dem Vitusdorf auch Peter Knein und Werner Peters dabei. Am späten Samstagabend um 22 Uhr fiel der Startschuss für den Lauf, der größtenteils in der Dunkelheit der Nacht stattfindet. Aber auch damit hatten beide ja schon nach dem 24-Stunden-Rennen in Delmenhorst Erfahrung und so schafften sie dann diese Abenteuer auch mit Bravor. Peter Knein in 11:08:59 und Werner Peters in 11:45:22 Stunden schafften diesen Ultramarathon in hervorragender Zeit und dürften sich damit am Jahresende auch in den überbezirklichen Bestenlisten wiederfinden.

 

 

Ausführlicher Erfahrungsbericht von Peter Knein:

„Beim Bieler 100-Kilometer-Lauf muss ein Ultra mal gelaufen sein….“, so spricht man in der Ultramarathon-Szene.
Nur ist es wirklich nur ein 100-Kilometer-Lauf?
Für mich und meinen Freund Werner sicher nicht, denn wir hatten folgenden Tagesablauf, der aus einem 100-Kilometer-Lauf einen 41-Stundentag machte.
Freitag 13.6.08 um 6.15 Uhr klingelt der Wecker. Klar die Kinder müssen wie immer zur Schule. Gemeinsames Frühstück muss sein. Dann von 7 bis 8 Uhr noch mal die liegende Position einnehmen, aber an Schlaf ist nicht mehr zu denken.
9 Uhr die Tasche wird kurz vor dem Aufbruch überprüft. Schuhe, Laufsachen, Zugfahrkarte, etc… alles drin, also geht’s los.
Werner abholen und dann geht’s weiter nach Hamm. Der toll angekündigte Bahnhofsparkplatz ist geschlossen. Unser Trip fängt gut an. In Hamm einen Parkplatz zu finden, auf dem man auch über 24 Stunden stehen kann, ist total aufwändig. 15 Minuten Fußweg vom Bahnhof entfernt stehen wir nun in einer Sackgasse. Ein Knöllchen ist billiger als ein Parkplatz.


11.15 Uhr der Zug ist pünktlich. Gut so, denn unseren Anschlusszug in Köln wollen wir unbedingt erreichen.
12.54 Uhr unser Zug von Köln nach Basel kommt und damit scheint unser Zeitplan aufzugehen.
Wir müssen uns in Biel noch anmelden. Bis 20 Uhr ist eine Nachmeldung möglich und das scheint zu klappen.
Im Zug ist an schlafen oder ruhen nicht zu denken. Es ist Freitag Nachmittag und es ist voll und laut.  Um 17.05 Uhr erreicht der Zug pünktlich Basel . Laut Zeitplan der DB fährt unser Zug nach Biel auf Gleis 12. Auf Gleis 12 nichts los. Wie kann das sein?  Auf dem Aushang der Zugfahrten sehen wir den Grund. Der Zug fährt auf Gleis 14 und das in wenigen Minuten. Beim Gleiswechsel noch einen  Fluch auf die DB in sich hinein murmeln und schon sehen wir unseren Zug nach Biel kommen.


Im Zug sind noch andere Läufer. Man erkennt sich, alle sind mit typischen Läuferschuhen bekleidet und haben Sporttaschen dabei. Ankunft in Biel um 18.15 Uhr. Nun zum Bus, damit wir zum Eisstadion mit der Linie 1 fahren können. Dem Internet sei Dank, hatte ich dieses dort vorher schon gelesen.
Leider musste man nach dem Aussteigen der Linie1 noch 15 Minuten bis zum Start laufen. Hier ist der direkte Weg zur Nachmeldung und um 19 Uhr waren wir offiziell  für den 50. Bieler 100-Kilometer-Lauf  startberechtigt. Nun ging es zum Essen. Jeder nahm sich einen Teller Nudeln, da man im Zug nur wenig zu sich genommen hatte, war der Appetit entsprechend groß, dass man auch drei Stunden vor dem Start richtig Lust zum Essen hatte.      
Die  Curlinghalle neben dem Eisstadion war zur Umkleide mit vielen Bänken umfunktioniert worden. Daneben war ein Duschzelt errichtet. Wir machten uns fertig und gingen zu 20.45 Uhr wieder ins Eisstadion, da man dort auf einer Großleinwand ein Spiel der EM sehen konnte. Um 21.45 Uhr ging es dann zum Start.


22 Uhr der Startschuss fällt. Endlich geht’s los. Ich bin seit 18 Stunden auf den Beinen und wach und laufe jetzt einen 100-Kilometer-Lauf. Das Wetter sieht nach Regen aus und es ist ein starker, kalter Wind.
22.30 Uhr man läuft immer noch durch Biel und dadurch hat man noch nicht die ganze Dunkelheit der Nacht erkannt. Außerhalb von Biel ist es dann richtig dunkel, da der Mond durch die dicken Wolken kein Licht bis zur Erde schicken kann. Der Wind hat aufgehört.  Sehr schön, aber es ist trotzdem eine kühle Nacht. Bis auf neun Grad werden die Temperaturen noch fallen.


Da ich vor vier Wochen erst noch den Rennsteiglauf über 73 Kilometer und mit 2500 Höhenmeter gelaufen bin, gehe ich sehr vorsichtig an und Werner läuft neben mir. Nach neun Kilometern kommt ein langes Gefällestück, an dem Werner hinter mir bleibt. Ich kann steile Gefällestücke einfach nicht wirklich langsam laufen. Bei Kilometer 18 ist Werner wieder bei mir. Das freut mich, es zeigt mir, wie gut Werner drauf ist und das ich nicht zu schnell unterwegs bin. Nun laufen wir im Grunde bis Kilometer 57 gemeinsam und das lenkt ein wenig ab.
In der Nacht zu laufen ist immer recht monoton und langweilig. Zwischen 2 Uhr und 4 Uhr hat der Körper auch nicht wirklich Lust zu rennen und es kommt natürlich auch die Müdigkeit dazu. Man trifft jetzt schon Läufer, die gehen. Eine Verlockung für jeden anderen Läufer, aber es ist doch noch so weit und dann schon gehen?
Nach 5 Stunden und 32 Minuten haben wir die ersten 50 Kilometer geschafft. Es ist jetzt 3.32 Uhr und man kann sich gar nicht vorstellen, die gleiche Streckenlänge erneut zu laufen.


Bei Kilometer 56 geht es durch einen kleinen Ort und dahinter beginnt der Ho-Chy-Mink-Pfad. Ein fast 10 Kilometer langer, ganz schmaler Pfad, der von oben zugewachsen ist und keinerlei Licht durch lässt. Dazu ist er durch ausgewaschene Steine und überirdische Wurzeln mit Stolperfallen gespickt. Hier hole auch ich meine kleine Taschenlampe raus. Es geht super gut. Solche Wege sind meine Welt. Es fällt mir leicht, mein Tempo deutlich zu erhöhen und hier laufe ich meine schnellsten 10 KM des gesamten Laufes. Da ich mich nicht umdrehen kann, merke ich zunächst nicht, dass Werner abreißen lassen muss, aber ich überhole so viele Läufer, dass mir mein Tempo bewusst ist. Nur will ich diesen guten Moment nicht verstreichen lassen. Hinter dem Pfad kommt die morgendliche Dämmerung und auch hier nutze ich diesen Augenblick der Freude „Endlich wird es hell“ um ein gutes Tempo zu laufen. Die Kilometer 60 und 65-Schilder kommen sehr schnell und auch das Kilometer 70-Schild ist schon da.


Nun merke ich aber auch die Tempoverschärfung und werde wieder etwas langsamer. Nach 8 Stunden habe ich die Distanz vom Rennsteiglauf geschafft und muss nun noch 27 Kilometer weiter, nach dem Zieleinlauf beim Rennsteig hätte ich diese Distanz nicht mehr laufen können. Jetzt liegt noch eine Laufzeit von etwa drei Stunden vor mir, wenn – ja – wenn kein Einbruch kommt. Es gehen schon immer mehr Läufer und niemand weiß, ob es ihn nicht bald auch erwischt. Bei einem 100 Kilometer-Lauf ist man erst im Ziel angekommen, wenn man über die Ziellinie gelaufen ist.
Durch die Helligkeit des Tages sieht man nun die Landschaft und ich muss feststellen, dass es ein sehr langweiliger Lauf ist. Es geht immer nur geradeaus und die meiste Zeit auf hellen Schotterwegen. Es bieten sich optisch kaum Abwechslungen.  Mental wird der Lauf dadurch nicht einfacher. Die Kilometer vergehen und man läuft immer im gleichen Schritt. Die Verpflegungsstationen bringen Abwechslung. Hier lässt man sich nun etwas mehr Zeit, da es auch wärmer wird. Die Sonne kommt hoch. Es gibt nur alle sieben  bis neun Kilometer eine Verpflegung und da ist es sehr wichtig, immer ausreichend zu trinken. Ein bis zwei Becher werden im flotten Gehen getrunken, aber dann sofort wieder gelaufen. Man hat das Ziel bald erreicht und die Lust am Rennen wird deutlich weniger. 

Wer jetzt geht, hat nur noch länger auf der Strecke auszuhalten, darum freue ich mich, dass ich mein Tempo die ganze Zeit weiterlaufen kann. Gehen will ich gar nicht mehr. Ich möchte nur noch ins Ziel. Nach 11:08 Stunden ist es geschafft. Die 100 Kilometer von Biel liegen hinter mir und es ging insgesamt besser, als erwartet. Der vor vier Wochen erst gelaufene Rennsteiglauf hat mich den 100’er vorsichtig angehen lassen und die Einteilung hat super gepasst. Die ersten 50 Kilometer in 5:32 Stunden und die zweitten in 5:36 Stunden. Es gab also auf den letzten 50 Kilometern keinen Einbruch und ich brauchte nie gehen.    


Ein Nachtlauf hat auch immer etwas besonderes, aber die Monotonie in der Dunkelheit ist nicht zu unterschätzen.
Im Ziel bekomme ich meine Medaille umgehängt, hole mir drei Becher eines Getränkes, das es beim Lauf nicht gegeben hat. Wasser oder Cola geht im Moment gar nicht. Nun muss ich mir mein Finisher-T-Shirt in der Eishalle holen. Leider dauert das 55 Minuten und kurz bevor ich dran bin, kommt Werner durch die Tür. So kann ich sein T-Shirt mitbringen und wir müssen nicht erneut 55 Minuten anstehen.
Ab zur Curlinghalle und Duschen. Das tut gut!!!!


Wertsachen holen, und jetzt etwas essen. Na klar, Nudeln. Nach so einer Anstrengung gibt es Sportler, die schaffen eine Pommes mit Currywurst, dass ist für mich unglaublich, aber die Nudeln schmecken richtig gut.
Nun schnell zum Bus und ab zum Bahnhof von Biel (Schnell ist an dieser Stelle ein wenig übertrieben, man bewegt sich doch eher langsam). Auf einen Zug nach Basel brauchen wir nicht lange warten und versuchen die Treppen in den Zug einigermaßen elegant zu bewältigen, aber es klappt nicht.


In Basel finden wir eine Verbindung eines ICE direkt nach Dortmund ohne weiteres Umsteigen und sind heilfroh.
Schlafen auf dem Rückweg geht nicht, weil wir unseren Wagen mit einem Junggesellenabschied teilen und ihr Radio das Gegenteil von einer Einschlafmusik spielt. Mir macht es nichts aus, da ich im Zug sicher nie schlafen könnte und so etwas Abwechslung auf der Fahrt herrscht. In Köln verlässt uns dann diese Junggesellenabschiedsgruppe, aber nur um die nächste Gruppen eintreten zu lassen. Dieses Mal feiert Oli seinen Abschied.
In Dortmund brauchen wir nur 20 Minuten auf den nächsten Zug zu warten.
19 Uhr in Hamm und nun 20 Minuten bis zum Auto laufen. Die Beine schmerzen und wir humpeln durch Hamm. Das Auto steht noch in der Sackgasse und kein Knöllchen hängt an der Scheibe.


20.15 Uhr bin ich @home und es liegen  jetzt 38 Stunden hinter mir. In dieser Zeit bin ich 100 Kilometer gelaufen und die Strecke nach Biel in der Schweiz hin und her mit der Bahn gefahren. Was man nicht alles schaffen kann! Um 23 Uhr geht es dann ins Bett und nach 41 Stunden habe ich es mir auch verdient.


Zum Schluss noch die Klärung der Frage „… muss man Biel laufen…?“  Nein, da es eine sehr monotone Strecke ist und es sicher viele schönere Läufe gibt……. ABER ….. JA, wenn man sagen will „… Biel, ja den hab ich auch schon …..“ ;-)

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